Zum Nachdenken
Zurück zur Denk-Bar
Der Duft der Rosen
nimmt dich in süßen Bann [= verzaubert dich].
Der Duft der Rosen
streichelt dich ganz leise
und du kannst ahnen,
was Schönheit ist.
Der Duft der Rosen
ist rein und zart.
Du kannst den Zauber nicht begreifen,
fühlst nur ein süß Vergessen
und eine süße Gegenwart.
Nach Hermann Hesse
Bäume sind Heiligtümer [= Gotteshäuser, Tempel].
Wer ihnen zuhören kann, der erfährt die Wahrheit.
Sie predigen nicht Lehren und Rezepte,
sie predigen das ewige Gesetz des Lebens.
Ein Baum spricht:
In mir ist ein Kern, ein Funke, ein Gedanke verborgen [= versteckt],
ich bin Leben vom ewigen Leben.
Einmalig ist meine Gestalt [= Form, Aussehen].
Meine Aufgabe ist: Ich gestalte und zeigt mit dieser einzigartigen Gestalt das Unvergängliche.
Ein Baum spricht: Meine Kraft ist das Vertrauen.
Ich vertraue, dass Gott in mir ist.
Ich vertraue, dass meine Aufgabe heilig ist.
Aus diesem Vertrauen lebe ich.
Wenn wir traurig sind und das Leben nicht mehr gut ertragen können,
dann kann ein Baum zu uns sprechen:
Sei still! Sei still! Sieh mich an!
Leben ist nicht leicht, Leben ist nicht schwer.
Lass Gott in dir reden.
Wer gelernt hat, Bäumen zuzuhören,
wünscht nur er selbst zu sein und nichts anderes.
Das ist Glück.
Hermann Hesse
ORIGINALE
Die Blumen des Blinden
In einem kleinen Haus mit einem großen Garten lebte ein blinder Mann. Er verbrachte jede freie Minute in seinem Garten und pflegte ihn trotz seiner Behinderung mit großer Hingabe. Ob Frühling, Sommer oder Herbst, der Garten war ein Blütenmeer. „Sagen Sie“, bemerkte ein Vorübergehender, der die Pracht bestaunte, „warum tun Sie das? Sie können doch davon nichts sehen, oder?“ „Oh, nein“, antwortete der Blinde, „nicht das geringste.“ – „Warum kümmern Sie sich denn dann überhaupt um den Garten?“
Der Blinde lächelte: „Ich kann Ihnen dafür vier Gründe nennen: Erstens, ich liebe die Gartenarbeit; zweitens, ich kann meine Blumen anfassen; drittens, ich kann ihren Duft riechen. Der vierte Grund sind Sie!“ – „Ich? Aber Sie kennen mich doch gar nicht!“ „Nein, aber ich wusste, Sie würden irgendwann vorbeikommen. Sie hätten Freude an meinen herrlichen Blumen und ich hätte Gelegenheit, mich mit Ihnen darüber zu unterhalten.“
Nach Hoffsümmer 3
Siehe auch Hoffsümmer 1 Nr. 231 oder Hoffsümmer 6 Nr. 121
Der Duft der Rosen
nimmt dich in süßen Bann,
führt dich liebkosend leise
wie eine Liederweise
mit Ahnung voller Schönheit an,
ist ohne Gleichnis rein und zart;
du kannst es nicht ermessen,
fühlst nur ein süß Vergessen
und eine süße Gegenwart.
Hermann Hesse
Bäume sind für mich immer die eindringlichsten Prediger gewesen.
In ihren Wipfeln rauscht die Welt, ihre Wurzeln ruhen im Unendlichen.
Bäume sind Heiligtümer.
Wer ihnen zuzuhören weiß, der erfährt die Wahrheit.
Sie predigen nicht Lehren und Rezepte,
sie predigen, das Urgesetz des Lebens.
Ein Baum spricht:
In mir ist ein Kern, ein Funke, ein Gedanke verborgen,
ich bin Leben vom ewigen Leben.
Einmalig ist meine Gestalt.
Mein Amt ist, im Einmaligen das Ewige zu gestalten und zu zeigen.
Ein Baum spricht: Meine Kraft ist das Vertrauen.
Ich vertraue, dass Gott in mir ist.
Ich vertraue, dass meine Aufgabe heilig ist.
Aus diesem Vertrauen lebe ich.
Wenn wir traurig sind und das Leben nicht mehr gut ertragen können,
dann kann ein Baum zu uns sprechen:
Sei still! Sei still! Sieh mich an!
Leben ist nicht leicht, Leben ist nicht schwer.
Das sind Kindergedanken.
Lass Gott in dir reden, so schweigen sie.
Wer gelernt hat, Bäumen zuzuhören,
begehrt nichts zu sein, als was er ist.
Das ist Glück.
Hermann Hesse
Denk - Bar
